Vertraut mit modischen Notwendigkeiten

Darum gelingt der Übergang im Knopfimperium

Sie sind klein, oft unscheinbar und doch so wichtig – schließlich halten sie zusammen, was zusammengehört: Knöpfe. Für Johannes Morthorst spielen sie seit mehr als 30 Jahren eine Hauptrolle. Im historischen November 1989 gründete er im heimischen Goldenstedt sein Unternehmen „Creativ Knopf". Inzwischen ist auch Sohn Marcel in die Geschäftsführung aufgerückt.

Wer mit Johannes Morthorst über Knöpfe ins Gespräch kommen möchte, sollte sich Zeit nehmen. Der 62-Jährige erzählt voller Leidenschaft und Enthusiasmus von seiner Liebe zu den „modischen Notwendigkeiten". Natürlich kennt er jedes Detail, weiß von Formen und Farben zu berichten und kann selbstverständlich auch die Vorzüge der unterschiedlichsten Materialien benennen. Seine Favoriten sind Steinnuss aus Ecuador und Echthorn aus Indien. Morthorst attestiert ihnen eine „unglaublich schöne Ästhetik".

Apropos Ästhetik: Dafür habe er schon immer einen ausgeprägten Sinn gehabt, sagt der passionierte Golfer. Und den brauche es auch, um im Knopf-Geschäft erfolgreich zu sein. Der Knopf sei „wie das Schmuckstück an einer Dame", er vermittle der Bekleidung erst Ausstrahlung und Bedeutung. Ihn lediglich als Accessoire zu bezeichnen werde ihm keineswegs gerecht. Kein Wunder, dass zuhause eine Vitrine mit den ausgefallensten Exemplaren steht.

Prominente Auftraggeber: Roy Robson und Digel, Zara und Hugo Boss

Um den Qualitätsstandard zu halten, sind für den gebürtigen Goldenstedter exzellente Designer mit dem Blick für das Außergewöhnliche unverzichtbar: „Wir möchten Stile und Trends prägen und kreieren, ihnen nicht nur hinterherlaufen." Zwei Mal im Jahr präsentiert Morthorsts Team der internationalen Modebranche seine neuen Kollektionen. Renommierte Hersteller wie Roy Robson und Digel, Zara und Hugo Boss arbeiten schon lange mit ihm zusammen.

Das ganze Jahr über sind rund um den Globus Designer für „Creativ Knopf" unterwegs. Besonders die Kooperation mit dem von den Brüdern Julian und Marcus Daniel Worth gegründeten „Global Style Network" mag Morthorst nicht missen. Die britischen Trendforscher nehmen die Entwicklungen in den weltweiten Modemetropolen unter die Lupe und bewerten ihr Potenzial. Zudem sind der Firmenchef und seine für kaufmännische Aufgaben und Marketing verantwortliche Frau Birgit Morthorst-Rüb selbst regelmäßig auf den großen Messen anzutreffen, um sich neue Inspirationen und Impulse zu holen. Das Business ist immer auch ein persönliches, gerade im Qualitätssegment

Fest steht ferner: Ohne internationale Kontakte ist man in der Branche verloren. „Früher gab es in Deutschland rund 30 große Unternehmen wie unseres, heute sind es vielleicht noch fünf", rechnet Morthorst vor. Seine Firma ist längst mit Außenstellen in Hongkong und Vietnam vertreten, zudem wird über ein Engagement in Afrika nachgedacht. „Darum würde ich mich gern noch kümmern."

Das operative Geschäft liegt längst in den Händen von Sohn Marcel.

Die Antwort auf die Frage nach seinem persönlichen Antrieb beantwortet der Gründer mit der nach dem persönlichen Anspruch: „Ich möchte immer zu den Besten gehören." Dafür muss er – und darüber freut er sich besonders – die heimischen Gefilde keineswegs verlassen. „Creativ Knopf" ist bei allem Erfolg ein bodenständiges Familienunternehmen geblieben. Johannes Morthorst liebt es, mit dem Fahrrad ins Büro zu fahren und gelegentlich mit alten Freunden einen Klönschnack zu halten. Das sei die Lebensqualität, die er schätze.

Im Unternehmen selbst ist der Firmengründer heute vor allem als Designer und kreativer Vordenker gefordert. „Man hat mich aus gesundheitlichen Gründen ein wenig auf Halbmast gesetzt", räumt er mit einem Schmunzeln ein.

Allzu schlecht scheint es ihm damit allerdings nicht zu gehen, denn er weiß die Angelegenheit in guten Händen. Inzwischen kümmert sich Sohn Marcel um das operative Geschäft. Bevor dieser zurück ins Oldenburger Münsterland kam, führte er eine kleine, ebenfalls der Familie gehörende Firma in Mazedonien, die im benachbarten Griechenland produzieren ließ. „Da konnte er ausreichend Erfahrungen sammeln, von denen er nun hier bei uns profitiert", betont Vater Morthorst und freut sich über die geglückte Weitergabe des Staffelstabs.

Die Nachfolge im Knopfimperium ist offenbar bestens geregelt. Und der Übergang von der einen Generation auf die nachrückende scheint problemlos zu verlaufen. Erneut findet hier zusammen, was zusammengehört.