Gründen vor der Haustür

So funktionieren Existenzgründungen auf dem Land

Mal ehrlich: Geht es um Existenzgründungen, denken wir an Szeneviertel in Metropolen. Aber Start-ups gibt es auch im ländlichen Raum. Sie haben hier eine besondere Funktion: Sie sind Motor der regionalen Wirtschaft, zugleich wichtige Impulsgeber und Erneuerer. Was für Gründer im Oldenburger Münsterland wichtig ist, verraten wir in unserem Special.

Lastrup statt Prenzlauer Berg, Lohne statt Köln-Kalk – wer nach dem richtigen Standort für die Verwirklichung seiner Unternehmensidee sucht, muss nicht zwangsläufig an einem der Hotspots der Start-up-Szene landen. Gründen geht auch dort, wo Wiesen und Äcker das Bild bestimmen. Und nein, der ländliche Raum ist keineswegs der Notausgang für all jene, die es in den Metropolen nicht geschafft haben. Im Gegenteil: Viele Gründer entscheiden sich bewusst für die Region, in der sie sich auskennen.

Gründer auf dem Land bringen häufig bereits Berufserfahrung mit.

Über den Erfolg eines jungen Unternehmens entscheidet nach einer Studie der Hochschule Landshut nur selten der Standort. In lediglich sieben von 105 Kategorien unterscheiden sich der Untersuchung zufolge Gründungen auf dem Land von urbanen Startups. Gründer auf dem Land sind in der Regel etwas jünger, eher männlich und häufig keine Akademiker. Oft bringen sie bereits Berufserfahrung mit – nicht selten sogar als Führungskräfte in der Industrie, „die mit ihren Ideen in den Unternehmen nicht mehr weiterkommen und sich dann entscheiden, etwas Eigenes zu machen", wie Studienleiter Michael Bürker berichtet.

Der Wissenschaftler widerspricht zudem der These, das nötige Kleingeld für eine Gründung lasse sich nur in Berlin, München oder Köln auftreiben. Es ist häufig ganz anders. Zum einen investieren Gründer auf dem Land vorwiegend eigenes oder aus dem Familienkreis stammendes Kapital. Zum anderen sind sie regional so gut verankert, dass sich interessierte Geldgeber finden lassen.

Gründer werden auf dem Land anders wahrgenommen als in den Metropolen.

Es gibt darüber hinaus eine Reihe von Argumenten, die gegen eine Landflucht von Gründungwilligen sprechen. Zunächst sind da neben den günstigeren Mietpreisen und den besseren Optionen auf geeignete Räumlichkeiten die niedrigeren Kosten für Mitarbeiter, die gerade jungen Gründern in die Karten spielen. Auch der Gewerbesteuersatz ist in der Stadt um einiges höher. Von Vorteil sind ferner die kurzen Wege zu Behörden und Banken, der unkomplizierte Austausch, die Arbeit in Netzwerken.

Nicht zu unterschätzen ist neben dem familiären Umfeld die Loyalität der Beschäftigten. Sie stammen oft ebenfalls aus der Region und schätzen die geringe Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstelle. Das steigert nicht nur Leistungsbereitschaft und Motivation, sondern erleichtert auch neue Kunden- und Medienkontakte. Gründer und Gründungen werden von der Öffentlichkeit auf dem Land ganz anders wahrgenommen als in den Metropolen.

Klar ist aber auch: Kein junger Gründer kann alle Fragen beantworten, die sich ihm gerade in der Startphase stellen. Und keiner ist vor Rückschlägen sicher. Deshalb ist es so wichtig, sich rechtzeitig und kompetent beraten zu lassen. Die regionalen Wirtschaftsförderer sind dabei die richtigen Ansprechpartner. Sie wissen, wie sich Hindernisse aus dem Weg räumen lassen, kennen Förderprogramme und potenzielle Partner. Hier die wichtigsten Adressen aus dem Oldenburger Münsterland:

Wirtschaftsförderung Landkreis Cloppenburg
Dirk Gehrmann
Tel. 04471 15-236
wirtschaft@lkclp.de

Wirtschaftsförderung Landkreis Vechta
Nicole Bramlage
Tel. 04441 898-2600
2600@landkreis-vechta.de